Heiligen-Geist-Hospital

Das Heiligen-Geist-Hospital zu Lübeck wurde um 1280 nach dem großen Stadtbrand von 1276 fertiggestellt. Gegründet wurde es im Rahmen der Ausbreitung des Ordens vom Heiligen Geist. Die Nutzung dieser Einrichtung ist seit der Erbauung die gleiche geblieben. Sie war Spital für Arme und Kranke. Heute ist sie ein Seniorenheim. Viermal am Tag erklingt vom Mittelturm des Hospitals ein Glockenspiel, gespendet vom Kiwanis Club Lübeck, das Sie auf der Startseite als kurze Sequenz und hier in voller Länge (615KB) hören können.

Frau und Kultur und das H-G-H

Da wir seit 1968 kontinuierlich unseren Weihnachtsmarkt im historischen Heiligen - Geist - Hospital (unter Insidern auch H-G-H genannt) veranstalten dürfen, liegt uns auch die Erhaltung und Restaurierung dieses schönen Gebäudes sehr am Herzen. Wir verwenden einen ganz erheblichen Teil unserer Einnahmen aus dem Weihnachtsmarkt für die Erhaltung kostbarer Wandgemälde in der Eingangshalle des mittelalterlichen Bauwerks.

Wandmalereien im H-G-H

Wir haben für Sie Extra-Bilderseiten angelegt, auf denen Sie eine Auswahl von Innenansichten des Hospitals und Wandgemälden finden. Die folgenden detaillierten fachspezifischen Ausführungen zum Thema stammen von Jochen Seebach, dem Restaurator der Wandmalereien des Heiligen-Geist-Hospitals:

Inhalt:

Beschreibung

Die monumentalen Bilder, im westlichen Schildbogenfeld der "Salomonische Thron" und im östlichen die "Majestas Domini", werden in den Zeitraum von 1315 - 1325 datiert. Sie befinden sich auf jeweils einer der beiden Schildmauern der Nordwand der Kirchenhalle und haben die Ausmaße von ca. 6,60 m Breite und 5,85 m Höhe. Sie beginnen in einer Höhe von 2,80 m ("Salomonischer Thron") bzw. 2,90 m ("Majestas Domini") ab Fußboden. Beide Malereien sind Hauptwerke der westlich geprägten Wandmalerei dieser Zeit in Lübeck, die sich durch ihre Technik und die fein modellierende Gestaltung gegenüber den sonst erhaltenen Malereien auszeichnen.

Aufbau

Bei diesen Wandmalereien handelt es sich nicht, wie vielfach behauptet wird, um eine Frescomalerei, sondern um eine Temperaausmalung. Der Aufbau zeichnet sich wie folgt ab:

0 Backstein
1 darauf: dünne Putzschlämme mit Rotfassung (Ziegelausmalung)
2 darauf: 1-5 mm dicke Putzschlämme (Intonaco)
3 darauf: ockerfarbene Grundierung mit Vorzeichnung
4 darauf: Figuren in Tempera-Technik und leimgebundener, azuritfarbener (blauer) Hintergrund
    

Geschichte der Wandmalerei

1866 wurden die Wandmalereien, die unter Tünchschichten verborgen waren, entdeckt, durch den Kirchenmaler Stolle freigelegt und mit Ölfarben übermalt. 1939/40 wurden die Wandmalereien restauriert. Bei dieser Maßnahme wurden die Übermalungen mit Ölfarben weitgehend entfernt. 1979-1984 wurde das Innere der Kirche erneut renoviert und restauriert, wobei 1980 eine Sicherung der losen Putz- und Malereischollen erfolgte. Es zeigte sich, daß der Zerfall der Wandmalerei langsam aber stetig fortschritt. Aus diesem Grunde setzten sich interessierte Einrichtungen dafür ein, daß diese wertvolle Ausmalung der Nordwand mit in das 1989 angelaufene Forschungsprogramm "Erhaltung historischer Wandmalereien" des Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) aufgenommen wurde.

Konzept zur Konservierung und Restaurierung

Dank der großzügigen zweckgebundenen Spende des DeutschenVerbandes Frau und Kultur e.V, Gruppe Lübeck anläßlich der Eröffnung des Weihnachtsmarktes 1993 über DM 250 000 konnte nach Abschluß der Forschung und begleitender baulicher Maßnahmen mit der Konservierung und Restaurierung 1997 begonnen werden, die 1999 ihren Abschluß fanden.

Ziel der Konservierung und Restaurierung war es, den Schadensfortschritt zu bremsen bzw. zu stoppen, nicht jedoch den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Auf Grund der vielen vorhandenen und störenden Fehlstellen waren Retuschen in einem gewissen Umfang erforderlich. Nach der Auswertung der Ergebnisse des BMFT-Projektes und der früher durchgeführten Maßnahmen wurde von den beteiligten Restauratoren in Zusammenarbeit mit den an der Forschung beteiligten Naturwissenschaftlern ein entsprechendes Konzept aufgestellt und mit dem Eigentümer, Auftraggeber und dem Denkmalamt abgestimmt. Das Konzept sah in erster Linie rein konservierende Maßnahmen vor, d.h. Festigung der mürben Partien, Entfernung schädlicher Einputzungen und Retuschen in Trattegio mit Aquarellfarben.